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Das Rössl ist tot – es lebe das Rössl!

Liebe Freunde des THEATER SOMMER KLAGENFURT,

gestern wurde vor vollem Haus die allerletzte Vorstellung der Erfolgsproduktion „Im Weißen Rössl am Wörthersee – keine Operette, doch völlig aus der Fassung“ gespielt. Das war eine ganz besondere Derniére, denn diese Produktion hat dem gesamten Team und vor allem auch den zahlreichen Besuchern große Freude – und außerdem eine sehr schöne Fortsetzung beschert!

Das „Rössl“ ist abgespielt – es lebe das „Rössl“! Noch bis 21. Juli 2012 wird der zweite Teil „Im Weißen Rössl am Wörthersee – Das verflixte zehnte Jahr!“ im Innenhof des wunderschönen Stadthaus Klagenfurt aufgeführt. Und heute, werter Leser, haben wir wieder ein ausverkauftes Haus, denn unsere Besucher erwartet eine ganz besondere Vorstellung:

Das war der zweite „Bittwoch“ 2012 – außerdem der ergiebigste und damit der wohl erfolgreichste ever! Herzlichen Dank an dieser Stelle unserem tollen Publikum, das diese Vorstellung auch für uns zu einem besondern Erlebnis werden ließ!

Mit dem „Spezialmenü“ schliessen wir den heurigen „Bittwochs“- Kreis und bescheren unserem Publikum einen außergewöhnlichen Theaterabend. Zum einen werden uns „ROTE NASEN  Clowndoctors“ Einblick in ihre Arbeit gewähren und zum anderen wird jeder Besucher mit mindestens einem der zahlreichen Geschenke nach Hause gehen, die der THEATER SOMMER KLAGENFURT die letzten beiden „Bittwochs“ geschenkt bekommen hat. Wir freuen uns über das sensationelle „Bittwochs“ – Publikum und darüber, gemeinsam mit unseren Besuchern und den Casinos Austria das Kärntner Team von „ROTE NASEN Clowndoctors“ zu unterstützen!

Der erste der beiden „Bittwoch“.  Abzustauben gibt es für unsere Gäste heute Abend mehr als genug! www.bittwoch.at

Schon etwas wehmütig – aber auch mit Stolz auf das bereits Erreichte, gehen wir in unsere letzten Vorstellungen für das heurige Jahr und hoffen auch Sie (sofern Sie noch Karten ergattern sollten ;), in einer unserer Vorstellungen begrüssen zu dürfen!

„Im Weißen Rössl am Wörthersee – keine Operette, doch völlig aus der Fassung“, 2012, foto by Marion Puschitz

Alles Liebe,

Wilhelm Prainsack

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Apfeltalk – Halbzeit & Bestandsaufnahme

Jetzt ist es schon wieder einmal soweit: Kaum sind die Theaterleut angekommen, sind sie auch schon fast wieder weg. Schon lustig, wenn man bedenkt, wie viel Zeit die sich immer nehmen, aber trotzdem vergeht dann alles so schnell… Aber das ist nun einmal so. Mein Zwischenfazit ist: Es läuft super und die Besucher gehen glücklich und extrem gut gelaunt nach den Vorstellungen ihrer Wege. Das ist für die Theaterleut auch das wichtigste, die meinen sogar, dass genau das die Anforderung des THEATER SOMMER KLAGENFURT sein soll! Aber sonst sind auch schon so allerhand Dinge passiert, die ich sowas von gar nicht für mich behalten kann:

Der erste „Bittwoch“ der Saison ist lupenrein über die Bühne gelaufen. Die Vorstellung war natürlich wieder so knackevoll, dass man mir fast die Sicht versperrt hat. Aber Mein Gott – da darf man sich wirklich nicht aufregen, ist ja für einen guten Zweck. Und schöne Sachen ham´s da bekommen, das sag ich dir: Einen Haufen an Spirituosen, Wein, Sekt, CD´s, DVD´s, Bilder, Bücher, Flaschenwärmer, Gewand, ein Schokobrunnen und und und… Falls du noch was zum Loswerden zuhause hast: Heute Abend geht der „Bittwoch“ in die letzte Runde für dieses Jahr! Und falls du etwas abstauben willst, komm zum „Spezialmenü“ am 18. Juli. Was da genau passiert, liess am besten selbst nach: www.bittwoch.at

So ging es beim ersten „Bittwoch“ 2012 zu. Wer wird beim Spezialmenü dann wohl mit welchem Geschenk nach hause gehen?

Dann ist was geiles passiert: Stell dir vor, du sitzt im Theater und es fängt an zu regnen. Ziemlich blöd, oder?

2011 – Regenunterbrechung

Schlussapplaus in der Alpe Adria Galerie, 2011

Das ist einem deutschen Urlauberpaar bei der einzigen verregneten Vorstellung im letzten Jahr passiert. Dann haben die beiden aber nicht abgewartet, denn die Vorstellung wurde dann ja eh in der Alpe Adria Galerie zu Ende gespielt. Heuer kamen sie wieder zum Urlauben an den Wörthersee und freuten sich einen Haxen aus, dass das „Rössl“ wieder gespielt wird. So haben die beiden sich das Stück ab der Pause zu Ende angesehen und saßen gleich neben mir. Was die zwei gelacht haben… da hab ich als ganzer mitgescheppert.

Dann war da auch noch eine Frau da, die gleich zwei weitere Frauen mitgenommen hat. Die mit den feuerroten Haaren hat einen Text geschrieben – aber Hallo! – vom feinsten… Und gemeinsam mit der Blonden und der Brünetten haben sie den nach der Vorstellung dann vorgelesen.

Astrid, Veronika & Isabella Feimer lesen

Die rothaarige, also Isabella Feimer, hat tags darauf im Rahmen des Bachmannpreises gelesen, da hab auch ich ihr die Daumen gedrückt. Den Preis hat aber eine andere mit einer anderen Frisur (da sag ich jetzt lieber nix dazu) abgeheimst…

Und dann ist mir mal mein Herz stehengeblieben, frage nicht – so dermassen erschreckt hab ich mich… In einer Szene hebt ein Schauspieler den anderen kopfüber. Falls du das Stück „Das verflixte zehnte Jahr“ schon gesehen hast, wirst du mir beipflichten können, dass das jetzt ein bissl schwierig zu beschreiben ist, was die zwei da machen. Auf jeden Fall haben sie es an diesem besagten Tag anders gemacht. Und zwar so, dass einer ein blaues Auge und der andere ein blutiges Knie und eine aufgerissene Hose davongetragen hat. Schön war das nicht – obwohl man sagen muss: gut, dass da nicht mehr passiert ist, auf diesem Pflastersteinboden…! Das Publikum hat das glaub ich gar nicht so recht mitgekriegt, weil die beiden so dermassen professionell weitergespielt haben, dass die gedacht haben müssen: Wow, gewagte Choreographie.

Aber so ist es oft im Leben. Meistens, wenn was passiert, ist es eh nicht so schlimm – dafür kommt es aber irgendwann dann dicke. Aber weisst was: in meinem Fall, und in dem der Theaterleute will ich mir wünschen, dass das noch möglichst lange auf sich warten lässt!

In dem Sinn: Neun Vorstellungen kannst mich noch bewundern kommen – in keinen zwei Wochen mehr werde ich dann wieder für ein Jahr von den schönen Erinnerungen an die letzten drei THEATER SOMMER KLAGENFURT alleine im Innenhof zehren müssen.

Ich – während der Proben, 2012

Alles Liebe,

Dein Apfel

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Ausflug ins Wunderland, Teil 2: Hinter den Spiegeln (des Offensichtlichen)

Liebe Freunde und Freundinnen des Theater Sommer Klagenfurts,

während die erste Premiere bereits mit Bravour gemeistert wurde und die zweite erst einen Grinsekatzensprung zurück liegt, nähert sich auch das Wettlesen beim diesjährigen Bachmannpreis und es steigert sich in exponentieller Aufwärtsbewegung eine kleine, aber hartnäckig festsitzende Nervosität meinerseits. Zugegeben abgelenkt von den mich in Entzückung versetzenden Fußfallerbeinchen, die im Moment über die Bildschirme huschen, frage ich mich, was denn dort, in Klagenfurt, passieren wird. Wie wird es sein, wenn ich lese und wenn daraufhin die Jury Feedback gibt?

Was ist nachher?

Aber das sind nicht die einzigen Fragen, die mich, während dieser Vorbereitungszeit auf die Tage der deutschsprachigen Literatur, beschäftigen. Fragen über Fragen wurden mir gestellt, die ich nur nach Kriterien des Offensichtlichen beantworten konnte. Woher man kommt, zum Beispiel, und: wohin man geht?

Das Leerzeichen zwischen diesen beiden Fragen ist ein Spiegel, in den ich zuerst blicken musste, um dann, gleich der Alice im zweiten Teil ihrer Wunderland-Abenteuer, durch ihn hindurchzugehen.

Offensichtlich ist, dass ich in Schwechat aufgewachsen bin und geboren bin ich in Mödling, weil es in Schwechat kein Krankenhaus gibt. Was, hätten sich damals meine Eltern für eine andere geografische Richtung, für ein Krankenhaus in Wien, entschieden? Nicht vieles wäre anders, aber doch Kleinigkeiten – dennoch: aufgewachsen wäre ich in Schwechat. Heimat und Herkunft prägen, und ich glaube, wenn schon nicht an den nationalen Überbegriff Heimat, doch an meine Wurzeln, die in der Industriestadt am Rande Wiens verankert sind. Deutlich spürbar werden sie, wenn ich mich an den Geruch von werdendem Bier erinnere, steigt in die Nase nämlich, wenn man bestimmte Plätze in Schwechat kreuzt, und an den nächtlichen Anblick der Raffinerie – meine ganz persönliche Blade Runner City. (Ähnlich wird es wohl den Klagenfurter Jungs gehen, wenn sie in die Heimat zum Theaterzauber zurückkehren.)

Foto by Nikolas Franz

In dieser Erinnerung wird der Ort der Herkunft zum Wunderland, das es jenseits des Spiegels gibt. Herkunft wird zur gedanklichen Spielwiese, zum Stoff, aus dem das Wunderland ist.

Und wenn Sie mir noch eins der Gedankenexperimente verzeihen, auch dieses Wohin liegt hinter einem Spiegel, und hinter dem Spiegel der Begriff Zukunft.

Offensichtlich ist, dass ich in nicht mehr ganz zwei Wochen Klagenfurt besuche, um dort zu lesen, offensichtlich zu einem abenteuerlichen Ausflug in den Literaturbetrieb, aber was dann? Aber was dort? Was bedeutet es, abseits der Anspannung und des mich trotz dieser Anspannung begleitenden Wohlgefühls, weil ich gerne tue, was ich tue, und weil ich dort wertvolle Zeit mit meinen Freunden verbringen kann? (Und glauben Sie mir, es ist ein gutes Gefühl, das mich dieser Tage begleitet und weiterhin begleiten wird – bei so viel Zuspruch und positivster Energie – auch davon kann das Team des THEATER SOMMER KLAGENFURT ein fröhliches Liedchen singen.)

Hinter dem Spiegel des Wohingehens, so denke ich es mir, liegt die Ungewissheit, und die ist Teil meines Wunderlands, die ist das Abenteuer, in das ich mich – und Künstler und Künstlerinnen aller Sparten – täglich gerne stürze.

Ach ja, und dann ist da noch diese eine Frage, die wohl niemand so richtig beantworten kann: warum schreiben Sie? Warum haben Sie sich für die Kunst entschieden?

Hm.

Äh.

Hm.

Ich glaube, sie hat sich für mich entschieden,

und ich spielte mit.

Hiermit genug der Worte,

lassen wir – auf der Theater- oder Lesebühne – Taten sprechen,

herzlichst und dankbar für all die guten Wünsche,

Isabella Feimer

(die hoffentlich nicht in Klagenfurt baden gehen wird ; ), sich aber schon sehr auf den Wörthersee freut! )

Isabella Feimer wird am Freitag, den 6. Juli 2012 im Anschluss an die Vorstellung von „Das verflixte zehnte Jahr“ um ca. 23:00 im Stadthaus Klagenfurt bei freiem Eintritt aus ihren Werken lesen. 

Lesen Sie den ersten Teil von Isabella Feimers Klagenfurt – Abenteuer und über ihren Theater (Sommer Klagenfurt) Bezug „Ausflug ins Wunderland – Bachmannpreis 2012“

 



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Apfeltalk – Welturaufführung, Diskussionen & Probenprozesse

Theaterleut ́ sind schon ein eigenes Volk. Jaja, mir ist schon klar: Tiroler sind auch ein eigenes Volk. Oder Indianer: aber die reden halt nicht sooo viel! Da genügt ein einfaches „Howgh“, dann wird an der Pfeife gepofelt und gut ist. Jetzt wirst Du Dich vielleicht fragen: warum zum Teufel machen das die Theaterleut ́ nicht auch so, warum wird geredet, geschaut, geredt geschaut und dann wieder ein bisschen gestammelt? Und da muss ich Dir sagen: keine Ahnung. Am Rauchen wird ́s wohl nicht liegen – gequalmt wird genug. Dann schon eher am „Hau“. Aber das ist wahrscheinlich erst dann cool, wenn man quasi Pierre Price ist, oder von mir aus Waterloo.

Auf jeden Fall freue ich mich, dass die Theaterleute wieder hier in meinem Innenhof sind und mir als Apfelskulptur den Alltag versüßen! Denen beim Probieren zuzuschauen ist echt witzig. Und wenn die mit den Proben fertig sind, wird so emsig weitergehackelt, dass sogar die Ameisen ihre Freude beim Zuschauen hätten. Geputzt, diskutiert, geschaut, diskutiert, herumgeschoben, diskutiert, telefoniert und dann wird die ganze Nacht mit dem Licht solange herumprobiert bis mir die Sonne wieder auf meinen schön geschliffenen Korpus scheint – und schon geht es wieder mit den Proben weiter…

Und weisst was: heute Abend ist Premiere. Da sind die aber sowas von nervös und so ruhig, dass ich fast Angst um sie kriege. Bei der ausverkauften Vorstellung werden sie dann wieder aufdrehen und spielen, als wenn es kein morgen gäbe! Dann wird es wieder ein bissl ruhig hier im Innenhof – zumindest tagsüber. Das macht mich etwas traurig. Damit du einen Eindruck davon bekommst, wie köstlich ich mich den ganzen Tag hier unterhalte, ein Beweisvideo (Bin gespannt, ob Du auch mich auf dem Video findest):

Aber dass so viel diskutiert wird bei den Theaterleuten geht mir halt auch nicht in die Birne… Aber mein Gott: durchs Reden kommen die Leut zammen heisst es ja so schön. Und auf einmal geht´s schwuppdiwupp und das Stück steht so tip top da, dass ich mich frage: wären all die Diskussionen echt notwendig gewesen? Die Theaterleut ́ meinen, dass ja. Aber bitte – ich, musst du wissen, bin da ja mehr so der große Schweiger…

Ich bleib da lieber bei Winnetou: Howgh & Friede

Herzlichst,

Dein Kunstapfel

P.S.: Vielleicht kommst du mich die nächsten Tage mal besuchen – schön wäre das, wenn wir uns auch mal kennen lernen! Bei der Gelegenheit stelle ich dir diese Theaterleute gerne vor – oder erzähle dir hinter vorgehaltener Hand mehr, hehe 😉

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Premierenfieber – Im Weißen Rössl am Wörthersee, THEATER SOMMER KLAGENFURT

Liebe Leserin, lieber Leser,

heute beschreiten wir mit der Wiederaufnahmepremiere von „Im Weißen Rössl am Wörthersee – keine Operette, doch völlig aus der Fassung“ einen Meilenstein im diesjährigen THEATER SOMMER KLAGENFURT. Eva und Jörg haben sich prächtig in unser Stück integriert, haben Josepha bzw. Leopold neues Leben eingehaucht und diese Figuren weiterentwickelt. Wir freuen uns wahnsinnig auf unser Publikum und die Vorstellungen – heute Abend werden wir vor Lampenfieber hochkonzentriert sein! Wie locker wir uns dann in wenigen Tagen auf die Abende vorbereiten, beweist dieses Video aus dem letzten Jahr, aufgenommen vor einer der letzten Vorstellungen:

Die nächste Woche bedeutet für uns noch sehr viel Arbeit und ein durchdachtes Zeitmanagement: abends spielen wir des „Rössl“ ersten Teil, im Anschluss an die Vorstellungen um etwa 23:15 wird wie an den Vormittagen für den zweiten Teil probiert. „Im Weißen Rössl am Wörthersee – das verflixte zehnte Jahr“ feiert am 28. Juni seine Welturaufführung. Bis dahin stehen noch einige Probeeinheiten und Nachtschichten auf dem Plan. Und morgen in einer Woche – bei der großen Premiere – wird das Lampenfieber uns wieder zu Höchstleistungen peitschen!

Damit wir uns jetzt nur noch auf die Proben konzentrieren können, haben wir schon anständig die Werbetrommel gerührt und in Klagenfurt von uns reden lassen:

Ich wünsche uns und allen anderen Freiluftveranstaltern Wetterglück und putze meine Teller leer, damit ein wunderschöner THEATER SOMMER KLAGENFURT garantiert ist!

Alles Liebe & bis bald,

Wilhelm Prainsack

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Umbesetzung – Der „Neue“ beim THEATER SOMMER KLAGENFURT stellt sich vor

Mein Name ist Jörg Reifmesser und ich bin Schauspieler. Bereits vor zwei Jahren stand ich in der ersten Produktion des THEATER SOMMER KLAGENFURT als Harpagon in „Der Geizige – nach Moliére, doch völlig aus der Fassung“ im Innenhof des Stadthauses auf den Pflastersteinen, die die Welt bedeuten.

Diesen Sommer übernehme ich die Rolle des Leopold in der Erfolgsproduktion aus dem Vorjahr „Das weisse Rössl am Wörthersee“ und werde den Leopold auch in der Fortsetzung „Das verflixte zehnte Jahr“ spielen. Schon letzten Sommer hätte ich den Leopold geben sollen, musste diese Produktion jedoch aus terminlichen Gründen leider absagen.

Jörg Reifmesser als Harpagon

Mit Philipp“Pippo“ Stix wurde an meiner statt ein mehr als gleichwertiger, toller Schauspieler verpflichtet. Natürlich kam ich als Zuseher nach Klagenfurt zurück und war – wie alle Besucher an diesem Abend vom „Rössl“ überwältigt.

Nun, Mitte Juni, bin ich selbst schon wieder mittendrin statt nur dabei und probiere seit Anfang dieser Woche fleissig in Klagenfurt.

Am Anfang ist da ein Theaterstück, ein Skript …der Text.
Das Ensemble trifft sich zu einer Leseprobe, lernt die Kollegen und das Team kennen. Danach geht man heim. Dann bleibt der Text einmal am Nachttisch, Küchentisch oder Couchtisch liegen – bei mir ist das so.

Irgendwann wird das Skript wieder durchgeblättert und nach einer erneuten Lektüre streiche ich mir meine Textpassagen mit einem Leuchtstift an.

Fotoshooting als Oberkellner Leopold mit der Wirtin Josepha (Eva Reinold)

Anfang Mai starteten wir mit den Proben.
Ich begann natürlich schon viel früher Text zu lernen, denn für mich sind ja beide Produktionen – beide Texte neu.

Zuerst probierten wir für die Fortsetzung, die neue Produktion – also begannen alle quasi bei Null – was den Text anbelangt.

Bei einem neuen Stück bin ich bei der Probe mit jeder Faser meines Körpers sowie meines Verstandes an der Entwicklung meiner Figur und des Stücks beteiligt.
Dadurch konnte ich den „Leopold“ für mich entdecken und entwickeln.
Jeder Schritt den man macht, jeder Ton den man von sich gibt, jede Geste fügt sich wie ein Mosaik zusammen und beginnt zu „leben“.

Video vom Fotoshooting mit Jörg Reifmesser sowie dem Team des THEATER SOMMER KLAGENFURT

Eine Herausforderung ist, „meinen“ neu entdeckten Leopold in die Wiederaufnahme vom „Rössl“ zu setzen: „mein“ Leopold wirkt wie ein Pinselstrich, der auf eine bereits bemalte Leinwand aufgetragen wird…

Wie hat der Kollege das letztes Jahr gemacht? Wann bringe ich ein Glas Wasser? Wann kommt der Blick für den Kollegen? Was ist das richtige Stichwort? Das richtige Timing muss trainiert werden.

Dafür probieren wir und ich freu mich auf die Vorstellungen!

„Ich bin der Herr Leopold! Oberkellner im Weissen Rössl und stets zu ihren Diensten“

Liebe Grüße,

Jörg Reifmesser

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Von Wien nach Klagenfurt – das „Weiße Rössl“ zieht an den Wörthersee

Liebe Leserin, lieber Leser,

in zwei Wochen ist es soweit: das „Weiße Rössl“ wird seine Pforten endlich wieder öffnen: Am 20. Juni mit der Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion aus dem Vorjahr, und am 28. Juni mit der Uraufführung von „Im Weißen Rössl am Wörthersee – Das verflixte zehnte Jahr“.

Zeit, euch einen Zwischenbericht zu geben:

Seit 7. Mai wird unsere neue Produktion  in Wien probiert. Wir haben uns in der „Tanzstelle“ einquartiert und probieren an fünf Tagen die Woche zwischen fünf und acht Stunden. In vier Wochen konnten wir die neue Produktion „Im Weißen Rössl am Wörthersee – das verflixte zehnte Jahr“ fertigstellen und schon im Detail proben – also „putzen“, wie es so schön heisst. Eine Wochen bleibt für die Wiederaufnahmeproben von „Im Weißen Rössl am Wörthersee – keine Operette, doch völlig aus der Fassung“. Hierbei liegt die Herausforderung darin, dass die beiden Hauptfiguren neu besetzt werden und binnen kurzer Zeit zwei Stücke mit jeweils einer Nettospieldauer von ca. 125 Minuten zu verinnerlichen haben. Nach diesen ersten fünf Probewochen in Wien übersiedelt der THEATER SOMMER KLAGENFURT samt Sack und Pack in die südlichste Landeshauptstadt. Da geht es dann zur Sache: Die Technik wird aufgebaut, Tribünen- und Bühnenelemente aufgestellt, zwei Stücke parallel probiert. Des Nachts wird an den Lichtstimmungen gefeilt und die Beleuchtungsarrengements programmiert. Dann geht es endlich bald los!

Die ersten Stolperversuche bei den Tanzproben

Trotz der beiden Neubesetzungen geht der THEATER SOMMER KLAGENFURT auch heuer wieder mit einem eingespielten Team an den Start: Eva Reinold wird ihr Debüt im Stadthaus feiern, alle anderen sind alte Bekannte: Nach einem Jahr Pause gibt Jörg Reifmesser – vielen noch als Harpargon aus unserer allerersten Produktion „Der Geizige – nach Moliére, doch völlig aus der Fassung“ bekannt – heuer den Leopold. An dieser Stelle sei unseren Wirtsleuten aus dem Vorjahr Irene Halenka und Philipp Stix – die dieses Jahr nicht dabei sein können – für die exzellente Arbeit gedankt und wir freuen uns auf weitere tolle Zusammenarbeiten in den kommenden Jahren! Ansonsten erwartet Euch ein unverändertes Team. Mit Silke, Daniel, Robert und meiner Wenigkeit sind aus dem künstlerischen Stab wieder vier Kärntner dabei, das Team wird wie in den Vorjahren schon von Restösterreichern, einer Deutschen und einem Schweizer komplettiert! 😉

Die Proben sind sehr inspirierend, Norbert Holoubek packt aus der Regiefuchs-Trickkiste aus, der künstlerische Input vieler Mitarbeiter mit unterschiedlichen stilistischen Backgrounds ist beflügelnd: genau das zeichnet unseren theatralen Output letztendlich aus. Wenn nach kurzer Probezeit in einer kahlen Probebühne schon mit großer Spielfreude agiert wird, ist das ein gutes Zeichen dass alles stimmt und lässt uns optimistisch den Premieren entgegenfiebern! Die Proben machen sehr viel Spass und wir freuen uns immens auf den Wörthersee und auf die Proben im Innenhof vom „Stadthaus Klagenfurt“ – denn erfahrungsgemäß wachsen erst hier die Produktionen dann zu dem außergewöhnlichen Theatererlebnis!

Alles Liebe,

Wilhelm Prainsack

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Ausflug ins Wunderland – Bachmannpreis 2012

Ausflug ins Wunderland Teil 1

„Was hat ein Rabe mit einem Schreibtisch gemeinsam?“

von Isabella Feimer

Was hat ein Rabe mit einem Schreibtisch gemeinsam, fragt der Hutmacher die kleine Alice, als sie auf ihrer fantastischen Entdeckungsreise durchs Wunderland auf die verrückte Teegesellschaft trifft.

Sie fragen sich vielleicht, was hat das mit mir, der Verfasserin dieser Zeilen (Isabella Feimer, Schuhfetischistin und permanent Reisesehnsüchtige) gemeinsam oder gar mit dem THEATER SOMMER KLAGENFURT, auf dessen Blog Sie sich befinden.

Auf den ersten Blick nichts, vermutlich, und ich nehme auch nicht an, die herrliche verquere Geschichte von Lewis Carroll wird in den nächsten Jahren auf dem Spielplan unserer geschätzten Klagenfurter Theatertruppe stehen – oder doch? (Wer kann denn schon mit Gewissheit in die Theaterkristallkugel der Spielplanzukunft blicken?)

Jetzt zum zweiten Blick, auf den es ja bekanntlich ankommt, und schon tun sich Verbindungen zu dem Eingangs erwähnten Zitat und zwischen all den bisher aufgetretenen Protagonisten auf und des Rätsels Lösung rückt in beschreibbare Nähe. Dazu spule ich ein bisschen in Raum und Zeit zurück, ein paar Jahre, als es weder den THEATER SOMMER KLAGENFURT noch mich in der Berufung als Schriftstellerin gab. Damals hatte ich eine andere Funktion: ich war Regisseurin (Freie Theaterszene, wenig Geld, aber umso größere Visionen), und ich inszenierte eine Adaption von Alice im Wunderland im Kosmostheater Wien. Auf der Suche nach einer geeigneten Besetzung war bald entschieden, dass Wilhelm Prainsack (ja, der Wilhelm Prainsack, künstlerischer Leiter des Theater Sommer Klagenfurt) unter anderem die Rolle des Hutmachers übernehmen würde. Auf den Leib geschneidert! Finden Sie nicht auch? Bühnenbild, und jetzt lösen wir das Rätsel noch ein Stückchen mehr, machte damals Martin Kreienbühl, mit dem mich eine langjährige Freundschaft (auch Kollegenschaft) verbindet. Ein großartiger Raumgestalter! Kein Wunder im Wunderland also, dass sich der THEATER SOMMER KLAGENFURT ihn zur Mitarbeit geangelt hat.

Das Wunderland wäre aber nicht das Wunderland, gäbe es da nicht noch eine verquere Verbindung, und die heißt Klagenfurt. Letzten Sommer, als ich die 35. Tage der deutschsprachigen Literatur (besser bekannt als Bachmannpreis) als neugierige Besucherin (noch nicht Fuß gefasst habende Schreibende, wieder einmal höchst motiviert) beiwohnte. Sonnige, beglückende Tage waren es, nicht nur im Zeichen der Literatur, auch ein Zwischenstopp im „Weißen Rössl am Wörthersee“ durfte nicht fehlen, und ich verbrachte einen amüsanten Vor- und Nachvorstellungsabend mit und bei meinen (Jungs, ich darf doch „meinen“ sagen?) Jungs unter lauem Sternenhimmel.

Kurz vor der Abreise aus Klagenfurt, als ich das ORF Landesstudio Kärnten (Herberge für den Bachmannpreis) hinter mir ließ, literarisch beschwingt über die Wiese bis zum Parkplatz tänzelte, schwor ich mir (sagen wir mal anders, ich wagte in die Literaturkristallkugel zu sehen), „nächstes Jahr, Isabella, liest du hier!“

Gedacht, getan! Heuer kehre ich (welch Freude!) wettlesender Weise ins Klagenfurter Wunderland zu den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur zurück (und ja, sie haben mich ertappt, ich fühle mich ein bisschen wie Alice … ob ich weiße Rosen auch rot streichen muss, wenn ich mich der fachkundigen Bachmannjury stelle?).

Auch diesmal ist ein Besuch des THEATER SOMMER KLAGENFURT und bei dem Hutmacher und dem Lichtmagier und allen anderen ein unabdingbares Muss.

Also, was hat ein Rabe mit einem Schreibtisch zu tun?

Sagen Sie es mir!

Herzlichst,

Isabella Feimer

Isabella Feimer

Foto by Nikolaus Franz

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„Big Apple is watching you“ – THEATER SOMMER KLAGENFURT

Hallo, ich bin Malus Domestica. Das kommt aus dem Lateinischen bedeutet „häuslicher Apfel“. Also: ein kultivierter Apfel. Da ich ja selbst – gehen wir mal soweit – aus der Kultur komme, find ich es ziemlich lustig, dass der gemeine Apfel „Kulturapfel“ genannt wird – aber bitte! Der Ausdruck Kultur wird von colere (wohnen, pflegen, den Acker bestellen) abgeleitet – kommt also quasi aus dem Ländlichen. Mittlerweile wird die Kultur ja eher mit den urbanen Ballungsräumen in Zusammenhang gebracht. Aber ich schweife wieder ab. Das mach ich gerne, musst du wissen. Bevor du dich wunderst, was ich da verzapfe, pass auf – es heisst ja so schön: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. In meinem Fall ist das nur bedingt richtig. Man könnte sagen, ein Granitblock fällt nicht weit vom Felsen. Auch das ist mir nicht wiederfahren: ich wurde von dem Künstler Max Gangl zu einem Obststück geschlagen und geschliffen. Dann prominent fast in die Mitte des schönen Innenhofes vom Stadthaus Klagenfurt gebettet. Ob meiner geschätzten 1.400 kg mit einem Gabelstapler, wohlgemerkt! Damit ich mich da nicht so einsam fühle, wurden mir zwei Birnen zur Seite gestellt. Ich bin sozusagen der Herr hier im Innenhof: DER Apfel, DIE Birnen!

Bei der ersten technischen Besprechung im Frühling 2010 wurde ja tatsächlich versucht, mich zu verrücken... denkste ;)

Bei der ersten technischen Besprechung 2010 haben die Helden ja tatsächlich versucht, mich anders zu platzieren

Aber jetzt stell dir vor: ich bin kein Obststück, sondern ein Kunststück! Und obwohl ich aus der bildenen Kunst komme, hab ich durchaus eine hohe Affinität zur darstellenden. Und hallo hallo – jetzt schliesst sich der Kreis: Seit zwei Jahren wird in meinem Innenhof Theater gespielt, und das beste dabei: ob meines Gewichtes bin ich nicht wegzukriegen. In all meiner Pracht stehe ich derart prominent im Innenhof, dass man mich in die Stücke einbauen muss. Die beiden Birnen, die etwas leichter sind, wandern in den Inszenierungen fleissig umher!

Was mir dabei weniger gefällt ist, dass ich durchaus auch als Gebrauchsgegenstand herhalten muss. Mal als Ablage für allerlei Kram aber auch als Sitz- oder Anlehngelegenheit, was mir in manchen Fällen schon beträchtlich lieber ist. Dass mir Hunde ein Gräuel sind, kannst du dir bestimmt vorstellen, daher bin ich auch unendlich froh, dass zum Theater doch überwiegend Menschen kommen!

Die beiden Birnen sind schon leichter zu versetzen – hier als Kulisse in „Der Geizige – nach Moliére, doch völlig aus der Fassung“ mit Jörg Reifmesser, 2010

Vielleicht wirst du dich jetzt fragen, warum ich hier jetzt meinen Senf ablasse. Pass auf, es ist nämlich so: Dass ich auch oft als Ablage missbraucht werde, hab ich ja schon erwähnt. Tschick, Bier, Säfte, Klamotten und vieles mehr hab ich schon ertragen. Aber auch einen Rechner mit allen Passwörten und Zugängen. Und da hab ich mir gedacht, blöd wirst sein, und dein Wissen nicht in die Welt raustragen. Wie oft hab ich schon Menschen, die den Park über mir besuchten, sagen hören: „Wenn der alte Baum da sprechen könnte, der könnte dir Dinge erzählen…“. Dass niemand auf die Idee kommt, mich mal zu fragen, betrübt mich schon ein bissl. Nenn es ruhig Eitelkeit. Aber weisst du, ich denke, dies ist legitim.

 
Auch ich spiele immer mit. Hier als Sitzgelegenheit für „Ottilie“ Astrid Herbich in „Im Weißen Rössl am Wörthersee – keine Operette, doch völlig aus der Fassung“ 2011

Wenn ich mir so die Schauspieler beim Proben anschaue…  Oder so manch einen aus dem Publikum… Wie der oder die reinstolziert und in unbeobachteten Momenten Dinge von sich gibt, dass meine imaginären Ohren nur so wackeln wie Fackeln im Wind! Also ich hab schon eine Menge zu erzählen: Da war zum Beispiel dieser junge Mann, der zum Bittwoch mit einem alten, gebrauchten Geschirrtuch kam und der sich dann in Grund und Boden geniert hat… Oder der Lachkrampf eines Schauspielers, der alle im Innenhof angesteckt hat… Oder der Stromausfall während einer Vorstellung… Mann, zu erzählen gibt es viel – und das werde ich an dieser Stelle von nun an auch häufiger tun! In diesem Sinn: Big Apple is watching you… 😉

 
Erste Reihe fußfrei – da kriegt man ALLES mit…
Bald wird es von diesem Steinobstgeflüster mehr geben!
Bis dahin wünsch ich dir vom Kern alles Liebe und Gute & auf dass du gut zubeissen kannst!

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„Spiel mir das Lied vom Rössl“ Die unglaubliche Premierengeschichte des THEATER SOMMER KLAGENFURT 2011

Die ganze Welt spricht von Storytelling. Gehen wir doch einen Schritt weiter und plaudern „aus dem Nähkästchen“: Lest und staunt, welche Hiobsbotschaft uns am Tag vor der Premiere vom „Weißen Rössl am Wörthersee“ ereilt hat und wie Vieles anders wurde…

Es war ein wunderschöner 21. Juni 2011 – der Tag der Generalprobe. Die Tage zuvor war das Wetter sehr unbeständig und unser Lichttechniker hat die trockene Nacht genutzt, um die letzten Lichteinstellungen zu programmieren und an den Stimmungen zu feilen. Einer AMA (Alle mit Allem) Generalprobe stand also nichts mehr im Weg und das ganze Team brannte auf die Premiere, da wir alle wussten, dass wir ein richtig gutes Stück auf unser Publikum loslassen konnten, als uns gegen Mittag ein Anruf ereilte. So weit nichts Besonderes, da zu dieser Zeit das Telefon ohnehin sehr oft bimmelte.

Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein Herr der wissen wollte, was wir da eigentlich genau machen. Zugegeben, eine vielleicht etwas eigentümliche Fragestellung, jedoch nicht wirklich ungewöhnlich. Nach ausführlicher Auskunft unseres operativen Leiters gab sich der Herr auf der anderen Seite der Strippe als Mitarbeiter des Bühnenverlags Felix-Bloch-Erben zu erkennen und unterrichtete Robert, dass die Exklusivrechte für die Operette „Im weissen Rößl am Wolfgansee“ 2011 an die Lehár Festspiele Bad Ischl vergeben wurden und forderte von uns die schriftliche Zusicherung, dass wir nicht eine einzige Zeile bzw. eine Melodie aus dem Libretto verwenden würden.

So. Jetzt muss man mal festhalten, dass wir Stücke und Stoffe gerne „aus der Fassung“ bringen. Und weil „aus-der-Fassung-bringen“ ja so eine Sache ist und man eigentlich jedes geänderte Wort mit dem Verlag absprechen müsste, greifen wir gerne auf Stücke zurück, die „frei“ sind. „Frei“ bedeutet, dass 70 Jahre nach Ableben des Autors das Copyright erlischt, man zum einen keine Tantiemen mehr zahlen muss und zum anderen Stücke nach allen Regeln der Kunst bearbeiten darf. Am Rande sei bemerkt, dass unser Autor immer mit höchstem Respekt an das Bearbeiten von Stoffen herangeht…

Aber noch einen Schritt zurück: Als Norbert Holoubek, Robert Saringer und meine Wenigkeit uns im Spätsommer 2010 den Kopf darüber zerbrachen, mit welchem Stück wir Klagenfurt des Sommers wieder so richtig rocken können, stand lange Zeit Oscar Wilde‘s Meisterwerk „Bunbury“ auf unserer Liste ganz weit oben. Wie wir letztendlich zum „Rössl“ gekommen sind, weiss ich nicht mehr. Fest stand nur, dass wir das Lustspiel „Im weissen Rößl“ (das auch gar nicht am Wolfgangsee spielt) von Oscar Blumenthal und Gustav Kadelburg als Vorlage nehmen, es auf die wichtigsten Rahmenhandlungen kürzen und mit „Bunbury“ vereinen wollten. So verfasste Norbert für uns eine komplett neue Komödie, die im wesentlichen auf diesen beiden Stücken beruht. Angenehm für uns, da für diese beiden Meisterwerke auch keine Tantiemen mehr anfallen. Also war der Plan, unsere Produktion mit dem eindeutigen Titel „Im weißen Rössl am Wörthersee – keine Operette, doch völlig aus der Fassung!“ mit ein paar Nummern wie zum Beispiel „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“ mitsamt einer Schuhplattler-Choreographie zu garnieren. Für dieses Lied fallen dann AKM Gebühren an, die wir selbstverständlich jährlich zahlen.

Dass der Anruf vom Verlag am Vortag der Premiere eine Hiobsbotschaft ist, kann man vermutlich leicht nachvollziehen – schliesslich wurden Lieder aus der Operette über Wochen geprobt, teilweise  choreographiert und mussten ganz raus oder ersetzt werden –  und zwar schleunigst! Die Lieder waren jedoch auch das einzige Problem, da wir das Libretto nie auch nur aus der Ferne beäugt hatten.

An jenem besagtem Tag rückte unser Ensemble enger zusammen als es irgendein Teambuilding-Guru je zusammengebracht hätte: Daniel Ogris ging das gesamte Libretto durch, um nach möglichen „Plagiaten“ zu suchen (an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank für die Unterstützung an Gudrun Nikodem-Eichenhardt von den „Kernölamazonen“), alle anderen suchten nach passenden Liedern, mit denen man die Operettensongs ersetzen konnte, um zumindest die Choreographien zu retten. Es wurde getextet, verworfen, gesungen, getanzt und probiert. Es war ein toller Tag, an dem alle ruhig geblieben sind, sich einer gemeinsamen Sache angenommen und gemeinsam an einem Strang gezogen haben.

Ich denke, dass uns dieser Stress gut getan hat. Zum einen sah man, dass wir ein Team haben, das tadellos funktioniert, in dem jeder bereit ist, kurzfristig Änderungen vorzunehmen und das für einander da ist. Zum anderen hat unser „Rössl“ sehr gewonnen, da nicht eine einzige bekannte Operettenmelodie in unserer Produktion zu hören war. Die Musikarrangements wurden dadurch unvorhersehbar, wesentlich origineller und witziger.

Ob wir vorschnell gehandelt haben, indem wir die originalen „Rößl“- Lieder rausgenommen haben oder ob wir eh auf der rechtlich sicheren Seite waren, will ich an dieser Stelle nicht kommentieren. Zu diesem Zeitpunkt war unsere Homepage samt Stückbeschreibung seit Monaten online sowie tausende Flyer im Umlauf. Wenn man weiss, wie Verlage arbeiten und zurecht akribisch darauf achten, dass kein Copyright verletzt wird, wundert es mich, dass sich der Verlag nicht schon früher bei uns gemeldet hat. Ob es also Kalkül war, uns so dermassen kurzfristig zu kontaktieren und ob uns jemals jemand kontrolliert hat, weiss ich nicht. Was ich allerdings weiss ist, dass trotz der Exklusivrechte für Bad Ischl mehr als eine öffentliche „Rößl“-Operettenproduktionen 2011 in Österreich produziert wurde.

Rückblickend freut es mich, weil es ein sehr schöner und konstruktiver Tag war, wir eine aufregende Generalprobe und eine supertolle Premiere hatten.

Schön war es – trotzdem: Nochmal brauchen wir so etwas nicht! 😉

Was aus der geprobten Choreographie letztendlich geworden ist, seht ihr hier:

Alles Liebe & bis bald,

Wilhelm Prainsack

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