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Die Kunst und die Korruption – lauter Verbrecher im Kulturbereich

Am 22. März 2012 hab ich hier meinen allerersten Blog geschrieben. Über ein mehr oder weniger kompliziertes Gesetz – ob es für uns relevant ist, konnte bis dato noch nicht ganz geklärt werden. Trotz der trockenen Materie war es irgendwie spannend, das Thema zu behandeln und auch Feedback zu erhalten. Deshalb möchte ich mich heute einer ähnlichen Thematik annehmen – dem ANTI-KORRUPTIONSGESETZ!

Ui, klingt wild! Doch was hat das mit uns braven und gesetzestreuen Kulturveranstaltern zu tun? Das trifft doch nur KGH und den Meischi, oder? Nein, sollte es in der aktuellen Form beschlossen werden, triffts auch uns…

Sponsoring und Korruptionsstrafrecht

Anfang Oktober durfte ich einem wirklich interessanten Vortrag von o.Univ.Prof. Dr. Wolfgang Brandstetter lauschen. Er ist Vorstand des Instituts für Europäisches und Österreichisches Wirtschaftsstrafrecht an der WU Wien und sprach bei einer Tagung für Kultursponsoring über Gesetzesänderungen, die gerade für uns Kulturveranstalter nicht unwichtig erscheinen.

Zum Thema Sponsoring und Korruptionsstrafrecht steht im § 307 ff StGB (öffentlicher Bereich):

(1) Wer einem Amtsträger oder Schiedsrichter für die pflichtwidrige Vornahme oder Unterlassung eines Amtsgeschäfts einen Vorteil für ihn oder einen Dritten anbietet, verspricht oder gewährt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen. Ebenso ist zu bestrafen, wer einem Sachverständigen (§ 304 Abs. 1) für die Erstattung eines unrichtigen Befundes oder Gutachtens einen Vorteil für ihn oder einen Dritten anbietet, verspricht oder gewährt.

Ich möchte jetzt auch niemanden mit faden Gesetzestexten langweilen – nur in der Praxis heißt das folgendes: der THEATER SOMMER KLAGENFURT feiert am 20. Juni 2013 die Premiere seines neuen Stücks. Dazu werden natürlich Freunde und Familie, Sponsoren, Unterstützer, Medien und auch öffentliche Amtsträger eingeladen. Diese Amtsträger (zB. Politiker) dürften aus so einer Einladung jodoch keinen Vorteil ziehen. Tun sie aber, da sie ja von uns eingeladen werden und sich unentgeltlich eine Theatervorstellung ansehen. Nach dem Anti-Korruptionsgesetz (neuer Entwurf) ist dies strafbar – sowohl für den Einlader als auch für den Eingeladenen.

Der Workaround

Jetzt gibt es offiziell zwei Wege, dieses schwerwiegende Verbrechen nicht zu begehen:

Erstens: man läd zwar sämtliche Besucher zur Premiere ein, bittet aber alle geladenen Vertreter der Politik zur Kasse; (Ausnahme: Politiker, die direkt mit der Veranstaltung zu tun haben, etwa aus dem zuständigen Kulturreferat).

Zweitens: man läd auch sämtlichte Politiker ein, muss ihnen aber klar machen, dass sie einen Betrag im Gegenwert einer Eintrittskarte einer karitativen Organisation zu spenden haben und den Beleg am Eintritt vorweisen müssen.

Beide Lösungen sind irgendwie nicht wirklich charmant. Gerade bei uns in Kärnten bewegt man sich politisch auf sehr dünnem Eis, das ist hinlänglich bekannt. Umso wichtiger ist es, eine ausgewogene Palette an politischem Coleur bei der Premiere vertreten zu haben. Das könnte aus genannten Gründen zukünftig sehr schwierig werden. Die Folgen sind weniger mediale Aufmerksamkeit und es könnte uns in Zukunft im allerschlimmsten Fall die Subventionen kosten.

Vergraulte Sponsoren

Im Jahre 2008 hatte Österreich eines der härtesten Anti-Korruptionsgesetze der EU. Damals wurde die sogenannte „politische Landschaftspflege“ generell unter Strafe gestellt – niemand durfte etwas annehmen. Schnell wurde unter den Kulturveranstaltern Kritik laut – der sogenannte „Anfütterungsparagraph“ müsse sofort ersatzlos gestrichen werden, weil durch die Kriminalisierung die für den Kulturbereich extrem wichtigen Sponsoren verschreckt werden könnten.  Derzeit liegt die Grenze für die Annahme von Geschenken (etwa Eintrittskarten) bei 100 Euro. Das könnte sich jetzt ganz schnell wieder ändern. Die neuen Gesetzesentwüfe für das Anti-Korruptionsgesetz liegen auf dem Schreibtisch von Ministerin Karl – wie bereits oben beschrieben darf man dann beschenken – jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen. Ein Balanceakt.

Es ist also nicht ganz einfach, Kultur zu machen. Wir warten mit Spannung auf den neuen Entwurf. Wie dann die Konsequenzen im Detail aussehen ist noch nicht klar. Klar ist allerdings, dass wir uns unsere kommende Premiere dadurch nicht vermiesen lassen und den THEATER SOMMER KLAGENFURT 2013 unter allen Umständen fulminant eröffnen werden!!!

Alles Liebe,

Robert Saringer

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Apfeltalk – Welturaufführung, Diskussionen & Probenprozesse

Theaterleut ́ sind schon ein eigenes Volk. Jaja, mir ist schon klar: Tiroler sind auch ein eigenes Volk. Oder Indianer: aber die reden halt nicht sooo viel! Da genügt ein einfaches „Howgh“, dann wird an der Pfeife gepofelt und gut ist. Jetzt wirst Du Dich vielleicht fragen: warum zum Teufel machen das die Theaterleut ́ nicht auch so, warum wird geredet, geschaut, geredt geschaut und dann wieder ein bisschen gestammelt? Und da muss ich Dir sagen: keine Ahnung. Am Rauchen wird ́s wohl nicht liegen – gequalmt wird genug. Dann schon eher am „Hau“. Aber das ist wahrscheinlich erst dann cool, wenn man quasi Pierre Price ist, oder von mir aus Waterloo.

Auf jeden Fall freue ich mich, dass die Theaterleute wieder hier in meinem Innenhof sind und mir als Apfelskulptur den Alltag versüßen! Denen beim Probieren zuzuschauen ist echt witzig. Und wenn die mit den Proben fertig sind, wird so emsig weitergehackelt, dass sogar die Ameisen ihre Freude beim Zuschauen hätten. Geputzt, diskutiert, geschaut, diskutiert, herumgeschoben, diskutiert, telefoniert und dann wird die ganze Nacht mit dem Licht solange herumprobiert bis mir die Sonne wieder auf meinen schön geschliffenen Korpus scheint – und schon geht es wieder mit den Proben weiter…

Und weisst was: heute Abend ist Premiere. Da sind die aber sowas von nervös und so ruhig, dass ich fast Angst um sie kriege. Bei der ausverkauften Vorstellung werden sie dann wieder aufdrehen und spielen, als wenn es kein morgen gäbe! Dann wird es wieder ein bissl ruhig hier im Innenhof – zumindest tagsüber. Das macht mich etwas traurig. Damit du einen Eindruck davon bekommst, wie köstlich ich mich den ganzen Tag hier unterhalte, ein Beweisvideo (Bin gespannt, ob Du auch mich auf dem Video findest):

Aber dass so viel diskutiert wird bei den Theaterleuten geht mir halt auch nicht in die Birne… Aber mein Gott: durchs Reden kommen die Leut zammen heisst es ja so schön. Und auf einmal geht´s schwuppdiwupp und das Stück steht so tip top da, dass ich mich frage: wären all die Diskussionen echt notwendig gewesen? Die Theaterleut ́ meinen, dass ja. Aber bitte – ich, musst du wissen, bin da ja mehr so der große Schweiger…

Ich bleib da lieber bei Winnetou: Howgh & Friede

Herzlichst,

Dein Kunstapfel

P.S.: Vielleicht kommst du mich die nächsten Tage mal besuchen – schön wäre das, wenn wir uns auch mal kennen lernen! Bei der Gelegenheit stelle ich dir diese Theaterleute gerne vor – oder erzähle dir hinter vorgehaltener Hand mehr, hehe 😉

Ein Kommentar

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„Spiel mir das Lied vom Rössl“ Die unglaubliche Premierengeschichte des THEATER SOMMER KLAGENFURT 2011

Die ganze Welt spricht von Storytelling. Gehen wir doch einen Schritt weiter und plaudern „aus dem Nähkästchen“: Lest und staunt, welche Hiobsbotschaft uns am Tag vor der Premiere vom „Weißen Rössl am Wörthersee“ ereilt hat und wie Vieles anders wurde…

Es war ein wunderschöner 21. Juni 2011 – der Tag der Generalprobe. Die Tage zuvor war das Wetter sehr unbeständig und unser Lichttechniker hat die trockene Nacht genutzt, um die letzten Lichteinstellungen zu programmieren und an den Stimmungen zu feilen. Einer AMA (Alle mit Allem) Generalprobe stand also nichts mehr im Weg und das ganze Team brannte auf die Premiere, da wir alle wussten, dass wir ein richtig gutes Stück auf unser Publikum loslassen konnten, als uns gegen Mittag ein Anruf ereilte. So weit nichts Besonderes, da zu dieser Zeit das Telefon ohnehin sehr oft bimmelte.

Am anderen Ende der Leitung meldete sich ein Herr der wissen wollte, was wir da eigentlich genau machen. Zugegeben, eine vielleicht etwas eigentümliche Fragestellung, jedoch nicht wirklich ungewöhnlich. Nach ausführlicher Auskunft unseres operativen Leiters gab sich der Herr auf der anderen Seite der Strippe als Mitarbeiter des Bühnenverlags Felix-Bloch-Erben zu erkennen und unterrichtete Robert, dass die Exklusivrechte für die Operette „Im weissen Rößl am Wolfgansee“ 2011 an die Lehár Festspiele Bad Ischl vergeben wurden und forderte von uns die schriftliche Zusicherung, dass wir nicht eine einzige Zeile bzw. eine Melodie aus dem Libretto verwenden würden.

So. Jetzt muss man mal festhalten, dass wir Stücke und Stoffe gerne „aus der Fassung“ bringen. Und weil „aus-der-Fassung-bringen“ ja so eine Sache ist und man eigentlich jedes geänderte Wort mit dem Verlag absprechen müsste, greifen wir gerne auf Stücke zurück, die „frei“ sind. „Frei“ bedeutet, dass 70 Jahre nach Ableben des Autors das Copyright erlischt, man zum einen keine Tantiemen mehr zahlen muss und zum anderen Stücke nach allen Regeln der Kunst bearbeiten darf. Am Rande sei bemerkt, dass unser Autor immer mit höchstem Respekt an das Bearbeiten von Stoffen herangeht…

Aber noch einen Schritt zurück: Als Norbert Holoubek, Robert Saringer und meine Wenigkeit uns im Spätsommer 2010 den Kopf darüber zerbrachen, mit welchem Stück wir Klagenfurt des Sommers wieder so richtig rocken können, stand lange Zeit Oscar Wilde‘s Meisterwerk „Bunbury“ auf unserer Liste ganz weit oben. Wie wir letztendlich zum „Rössl“ gekommen sind, weiss ich nicht mehr. Fest stand nur, dass wir das Lustspiel „Im weissen Rößl“ (das auch gar nicht am Wolfgangsee spielt) von Oscar Blumenthal und Gustav Kadelburg als Vorlage nehmen, es auf die wichtigsten Rahmenhandlungen kürzen und mit „Bunbury“ vereinen wollten. So verfasste Norbert für uns eine komplett neue Komödie, die im wesentlichen auf diesen beiden Stücken beruht. Angenehm für uns, da für diese beiden Meisterwerke auch keine Tantiemen mehr anfallen. Also war der Plan, unsere Produktion mit dem eindeutigen Titel „Im weißen Rössl am Wörthersee – keine Operette, doch völlig aus der Fassung!“ mit ein paar Nummern wie zum Beispiel „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“ mitsamt einer Schuhplattler-Choreographie zu garnieren. Für dieses Lied fallen dann AKM Gebühren an, die wir selbstverständlich jährlich zahlen.

Dass der Anruf vom Verlag am Vortag der Premiere eine Hiobsbotschaft ist, kann man vermutlich leicht nachvollziehen – schliesslich wurden Lieder aus der Operette über Wochen geprobt, teilweise  choreographiert und mussten ganz raus oder ersetzt werden –  und zwar schleunigst! Die Lieder waren jedoch auch das einzige Problem, da wir das Libretto nie auch nur aus der Ferne beäugt hatten.

An jenem besagtem Tag rückte unser Ensemble enger zusammen als es irgendein Teambuilding-Guru je zusammengebracht hätte: Daniel Ogris ging das gesamte Libretto durch, um nach möglichen „Plagiaten“ zu suchen (an dieser Stelle noch mal herzlichen Dank für die Unterstützung an Gudrun Nikodem-Eichenhardt von den „Kernölamazonen“), alle anderen suchten nach passenden Liedern, mit denen man die Operettensongs ersetzen konnte, um zumindest die Choreographien zu retten. Es wurde getextet, verworfen, gesungen, getanzt und probiert. Es war ein toller Tag, an dem alle ruhig geblieben sind, sich einer gemeinsamen Sache angenommen und gemeinsam an einem Strang gezogen haben.

Ich denke, dass uns dieser Stress gut getan hat. Zum einen sah man, dass wir ein Team haben, das tadellos funktioniert, in dem jeder bereit ist, kurzfristig Änderungen vorzunehmen und das für einander da ist. Zum anderen hat unser „Rössl“ sehr gewonnen, da nicht eine einzige bekannte Operettenmelodie in unserer Produktion zu hören war. Die Musikarrangements wurden dadurch unvorhersehbar, wesentlich origineller und witziger.

Ob wir vorschnell gehandelt haben, indem wir die originalen „Rößl“- Lieder rausgenommen haben oder ob wir eh auf der rechtlich sicheren Seite waren, will ich an dieser Stelle nicht kommentieren. Zu diesem Zeitpunkt war unsere Homepage samt Stückbeschreibung seit Monaten online sowie tausende Flyer im Umlauf. Wenn man weiss, wie Verlage arbeiten und zurecht akribisch darauf achten, dass kein Copyright verletzt wird, wundert es mich, dass sich der Verlag nicht schon früher bei uns gemeldet hat. Ob es also Kalkül war, uns so dermassen kurzfristig zu kontaktieren und ob uns jemals jemand kontrolliert hat, weiss ich nicht. Was ich allerdings weiss ist, dass trotz der Exklusivrechte für Bad Ischl mehr als eine öffentliche „Rößl“-Operettenproduktionen 2011 in Österreich produziert wurde.

Rückblickend freut es mich, weil es ein sehr schöner und konstruktiver Tag war, wir eine aufregende Generalprobe und eine supertolle Premiere hatten.

Schön war es – trotzdem: Nochmal brauchen wir so etwas nicht! 😉

Was aus der geprobten Choreographie letztendlich geworden ist, seht ihr hier:

Alles Liebe & bis bald,

Wilhelm Prainsack

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