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Don’t look back in anger…

Und schon wieder ist ein Sommer vorüber. Obwohl – noch nicht ganz: so richtig heiß wird es nochmal am 30. und 31. August 2013 am Hauptplatz in Wiener Neustadt! Wir wurden eingeladen mit unserer Erfolgsproduktion von 2011 unter dem Titel „Im Weißen Rössl – Allzeit Getreu“ die ehemalige Kaiserresidenzstadt völlig aus der Fassung zu bringen!

Doch zuerst zu den brennenden Fragen der Gegenwart

„KANNIBALE & DIEBE – Eine bissige Sommerkomödie“ war eine Produktion die Klagenfurt polarisierte und kontroverse Publikumsreaktionen hervorgerufen hat. Für viele Besucher war es die beste all unserer bisherigen Produktionen, für andere war das Stück  unverständlich bzw. zu nah am schwarzen Humor angelehnt. Natürlich verstehen wir, dass viele Besucher, die schon öfters in unseren Produktionen waren, sich wieder etliche Doppelrollen und Gesangseinlagen erwarten haben. Diese Aussicht haben wir heuer nicht erfüllt…

Aufbauarbeiten und Proben für „KANNIBALE & DIEBE“

Ich muss auch ganz offen sagen, dass „KANNIBALE & DIEBE“ anders auf die Bühne hätte kommen sollen, als wir es in der finalen Fassung gezeigt haben. Wenn man wie wir in einem Team an künstlerischen Prozessen arbeitet, muss man den Kollegen natürlich Respekt und Vertrauen entgegenbringen. Respekt für das Handwerk und Vertrauen dahingehend, dass die gemeinsam festgesetzten Ziele auch von allen Beteiligten angesteuert werden. Wir mussten leider sehr spät erkennen, dass nicht alle in die selbe – vorab gemeinsam abgesprochene – Richtung arbeiteten. Das zog die logische Konsequenz mit sich, dass wir uns kurz vor der Premiere von dem Regisseur und der Dramaturgin trennen mussten (was durchaus in den besten Theatern oder auch Unternehmen vorkommen mag).

Unser besonderer Dank gilt darum der Regisseurin Angelika Mautz, die gemeinsam mit unserem großartigen Ensemble binnen drei Tagen das Stück so umgekrempelt hat, dass wir wieder „back in the game“ waren. Und wie!!! Herausgekommen ist eine wunderbar bissige Komödie basierend auf dem vortrefflichen Einakter „Häuptling Abendwind“ von Nestroy, angereichert mit Texten von Isabella Feimer und naturgemäss mit viel Input unseres Schauspielensembles! Neu für unser Publikum war der klassische Text, der natürlich gesellschaftlich unangenehme Fragen aufwirft – gewohnt hingegen der Lokalkolorit der Inszenierung, hohes schauspielerische Tempo sowie die heuer besonders große Rolle, die unser Publikum allabendlich einnehmen musste.

5 Jahre THEATER SOMMER KLAGENFURT

Es bleiben viele schöne Erinnerungen, der Stolz auf die gemeinsam mit dem gesamten Team vollbrachte Arbeit sowie das schöne Feedback vieler Besucher, etliche neue Erfahrungen und die Freude an der Arbeit. Und natürlich der Drang, all diese Erfahrungen in ein richtig geiles „5 Jahre THEATER SOMMER KLAGENFURT“-Jubiläum im kommenden Sommer einfliessen zu lassen.

Anzusprechen wäre auch heuer wieder der Wetteraspekt: schön ist, dass es von 24 Vorstellungen nur eine (so richtig) verregnet hat. Ein bisserl „feucht“ war es ein paar Mal öfters. Weniger schön war, dass es einige Male massiv nach einem Gewitter ausgesehen hat, das uns letztendlich doch verschont – jedoch einige theaterwillige Menschen von einem Besuch kurzfristig abgehalten hat. Gar nicht schön waren die Temperaturen in der letzten Juniwoche, in der es abends meist zwischen elf und maximal dreizehn Grad hatte – was dennoch etliche Menschen nicht davon abhalten konnte, sich einen pfiffigen Abend bei uns zu machen. Natürlich haben wir uns sehr um unser frierendes Publikum gekümmert und auf gut weihnachtlich heißen Punsch ausgeschenkt sowie Decken verteilt!

Stolz sind wir auch auf zahlreiche Kooperationen, den einmal mehr sehr erfolgreichen und beliebten „Bittwoch“ sowie unsere geglückte Crowdfundig-Campagne, der wir demnächst einen eigenen Blog widmen werden um unsere Erfahrungen mit Neugierigen zu teilen.

Mir bleibt nur übrig Ihnen, verehrte Leserschaft, einen wunderschönen, entspannenden Restsommer zu wünschen und ich hoffe, dass wir uns auch nächsten Sommer (oder noch heuer in Wiener Neustadt) wieder sehen werden!

Alles Liebe,

Wilhelm Prainsack

PS: Unsere Freunde vom  JUNGEN THEATER KLAGENFURT  bespielen mit „Nur für 3 Tage“ unter der Regie von Angie Mautz bis 17. August die THEATER HALLE 11 in Klagenfurt.

Wilhelm Prainsack

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Isabella Feimer – „Meine Häuptlinge setzen an Land“

Jetzt ist es ein dreiviertel Jahr her, dass mich die Herren vom THEATER SOMMER KLAGENFURT gefragt haben, ob ich mir vorstellen könnte, ein Stück für 2013 zu konzipieren, bekannte Stoffe neu interpretiert, zusammengemixt, reloaded, relounched, vermengt mit eigenen Texten und so weiter, ja, gerne, sagte ich, was soll’s denn sein?, und in dem Moment, als ich diese Frage stellte, kam mir auch gleich eine Idee, die ich aber zunächst einmal für mich behielt, ich lauschte den Wünschen, wie denn ein Stück für den Theater Sommer sein sollte, sprich, was es können musste, um die bewährte Unterhaltung zu bieten und völlig aus der Fassung zu sein, und dachte, passt, passt, passt zu meiner Idee, und dann erzählte ich von einem meiner Lieblingsstücke, dem „Häuptling Abendwind“ von Johann Nepomuk Nestroy, erzählte in aller Euphorie über die Situationskomik und den Sprachwitz, den das Stück in sich hat, erzählte auch, dass ich das Stück schon einmal selbst auf die Bühne gebracht hatte – lang lang ist´s her, aber die Arbeit machte unendlichen Spass und die absurd-komischen Figuren begleiten mich noch immer – und zu meiner Überraschung musste ich kaum Überzeugungsarbeit, wie es so schön heißt, leisten, denn auch besagte Herren sprang die Idee, vor allem jene, diesen Nestroy mit Shakespeare’s „Der Sturm“ zu versetzen, sofort an.

Nestroy meets Shakespeare?!?

Aber „Der Sturm“ und „Häuptling Abendwind“ – fragen Sie sich vielleicht – wie geht denn das zusammen?, es geht, antworte ich und führe aus, dass beide Stücke in dem Setting einer abgeschiedenen Insel spielen und im Zentrum steht jeweils eine Liebesgeschichte, und vermengt man beide Liebesgeschichten, die eine romantisch, die andere absurd, beide naiv und voller Herzschmerz, so entsteht … nun, das werden Sie ab der Premiere in Klagenfurt (ab 20. Juni 2013 – Anm. der Red.) sehen, und so machte ich mich daran, diese eigentümliche Mischung an Sprache und Figuren, an Situationen und Verwechslungen zu einer Einheit zusammenzufügen, nahm noch etwas eigene Sprache mit hinein, versuchte hierbei, inspiriert durch die nestroy’sche Sprachmelodie, einigen Figuren neuen Text zu geben, ließ neue Figuren das Szenario kreuzen und das Setting für den THEATER SOMMER KLAGENFURT, die Fete Blanche an den Ufern des Wörthersees, entstehen – „KANNIBALE & DIEBE – eine bissige Sommerkomödie“ war keine schwere Geburt.

Leinen los, wir sehen uns am Wörthersee

Und jetzt, und das sage ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge, muss ich, nachdem das Kind eben erst laufen lernte und nun in den Händen der Regie und der Schauspieler heranreifen muss, schon wieder Abschied nehmen, und ja, scheiden tut weh, und ja, ich vermisse meine kannibalischen Häuptlinge, meine trotzigen Liebenden und meine tolpatschigen Gauner, auch meine anarchistische Frau Koch, sie alle haben mir während der Entstehung des Stückes viel Freude bereitet, und ja, ich lasse sie ziehen, an Land … set sail and fly away, werter Häuptling Abendwind, and yes, you´re leaving on a jet plane, Häuptling Biberhahn, und bald schon setzen sie an Land, pompös protzig und hungrig und liebenswert, und ich werde sie an den Ufern des Wörthersees wiedersehen.

So long,

und herzlichst,

Ihre Autorin

(Isabella Feimer war letztes Jahr als Nominierte für den BACHMANN-PREIS 2012 in Klagenfurt eingeladen und hat in der Gewölbegalerie vom Stadthaus Klagenfurt im Anschluss an eine unserer Vorstellungen gelesen. Und sie hat – natürlich!!! – auch darüber geschrieben.)

Foto by Nikolas Franz

Foto by Nikolas Franz

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Jahresmitte zu Sylvester – Ein Blick nach vorne & einer zurück

Liebe Leserschaft,

das Kalenderjahr neigt sich dem Ende zu und viele Menschen freuen sich auf neue Herausforderungen in einem glücklichen, gesunden neuen Jahr 2013. Auch wir freuen uns schon sehr auf das kommende Jahr – obwohl wir Theaterschaffende eher in Saisonen, also von Sommer zu Sommer denken – ähnlich wie die Kicker! So gesehen ist für uns Organisatoren jetzt Jahresmitte und Zeit, mal etwas zurück und nach vorne zu schauen:

Stadthaus Klagenfurt Stadthaus Klagenfurt

In den letzten drei Jahren haben wir viel erreicht. Besonders freut uns, dass sich der THEATER SOMMER KLAGENFURT so toll in Kärnten etablieren konnte und wir uns einen hervorragenden Ruf sowie damit verbunden ein Stammpublikum aufgebaut haben. Das lässt sich wohl darauf zurückführen, dass wir Theater produzieren, hinter dem wir zu hundert Prozent stehen und das wir auch selbst gerne anschaun; dass wir in der Auswahl der Stoffe und deren Bearbeitung nicht „zielgruppenorientiert“ handeln und so authentisch in unserer künstlerischen Arbeit bleiben; und natürlich, dass Kärnten – insbesondere Klagenfurt – sehr offen für intelligent bearbeitete, moderne und überraschende Inszenierungen ist!

Unserer Linie, alles völlig aus der Fassung zu bringen, mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit sowie Frechheit zu würzen und unkonventionell mit professionellen Theaterschaffenden in den Innenhof vom Stadthaus Klagenfurt zu zaubern, bleiben wir natürlich weiterhin treu. Im Sommer 2013 werden wir uns kompromisslos Shakespeare und Nestroy annehmen und die beiden großartigen Dramatiker aufeinanderprallen lassen!  Wie das aussehen soll und was Sie sich kommenden Sommer von uns erwarten dürfen, erfahren Sie in den kommendem Wochen hier auf diesem Blog!

Der THEATER SOMMER KLAGENFURT 2013 – Shakespeare & Nestroy

Für diese literarischen Herausforderung konnten wir mit Isabella Feimer eine der spannendsten Dramatikerinnen der österreichischen Gegenwart gewinnen – vielen Literaturinteressierten ist sie als Nominierte für den Ingeborg Bachmann Preis 2012 bzw. als Preisträgerin des Literaturpreis 2012 der Akademie Graz in bester Erinnerung. Am 2. Jänner erscheint ihr Debütroman „Der afghanische Koch“ – zwei weitere werden in den folgenden beiden Jahren folgen. Im Mai wird mit „Pornoladen“ ihr neues Theaterstück im Wiener Kosmos Theater uraufgeführt. Für Klagenfurt bekam sie allerdings die Auflage, nix mit Porno zu schreiben… muss sie auch nicht, bringen doch Shakespeare und Nestroy genug an amourösem Stoff in ihren Werken mit!

Neben viel Bewährtem sowie einigen bekannten Gesichtern wird es aber auch tolle neue Mitarbeiter, neue aufregende Kooperationen und auch ein neues Raumkonzept geben.

Obwohl wir mit den Planungen sehr weit fortgeschritten sind und das Team (Isabella, unsere neue Produktionsassistentin Christina und wir beide) schon viel an Vorarbeit geleistet haben, wissen wir leider noch nicht ob und in welcher Höhe der THEATER SOMMER KLAGENFURT 2013 subventioniert wird. Die politische Lage sowohl in Klagenfurt als auch im Land Kärnten lässt derzeit keinen Budgetbeschluss zu; voraussichtlich wird mit der sogenannten Zwölftelregelung budgetiert, was eine langfristige Planung für viele Institutionen kaum möglich macht. Trotzdem – die Vorgespräche waren sehr gut und wir sind guter Dinge, dass wir auch 2013 Unterstützung durch unsere Subventionsgeber bekommen. Aber wie heisst es so schön: solang man nix genaues weiss, weiss man nix genaues nicht, und solang nix schriftlich ist, is nix fix…

In diesem Sinn, schauen wir was die Zukunft bring – wir werden auf jeden Fall unser Allerbestes dazu beitragen!

Wir wünschen Ihnen/Euch ein frohes Fest sowie einen guten Rutsch in ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2013!

Herzlichst,

Wilhelm Prainsack & Robert Saringer

Wilhelm Prainsack & Robert Saringer

Wilhelm Prainsack & Robert Saringer

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Apfeltalk – Halbzeit & Bestandsaufnahme

Jetzt ist es schon wieder einmal soweit: Kaum sind die Theaterleut angekommen, sind sie auch schon fast wieder weg. Schon lustig, wenn man bedenkt, wie viel Zeit die sich immer nehmen, aber trotzdem vergeht dann alles so schnell… Aber das ist nun einmal so. Mein Zwischenfazit ist: Es läuft super und die Besucher gehen glücklich und extrem gut gelaunt nach den Vorstellungen ihrer Wege. Das ist für die Theaterleut auch das wichtigste, die meinen sogar, dass genau das die Anforderung des THEATER SOMMER KLAGENFURT sein soll! Aber sonst sind auch schon so allerhand Dinge passiert, die ich sowas von gar nicht für mich behalten kann:

Der erste „Bittwoch“ der Saison ist lupenrein über die Bühne gelaufen. Die Vorstellung war natürlich wieder so knackevoll, dass man mir fast die Sicht versperrt hat. Aber Mein Gott – da darf man sich wirklich nicht aufregen, ist ja für einen guten Zweck. Und schöne Sachen ham´s da bekommen, das sag ich dir: Einen Haufen an Spirituosen, Wein, Sekt, CD´s, DVD´s, Bilder, Bücher, Flaschenwärmer, Gewand, ein Schokobrunnen und und und… Falls du noch was zum Loswerden zuhause hast: Heute Abend geht der „Bittwoch“ in die letzte Runde für dieses Jahr! Und falls du etwas abstauben willst, komm zum „Spezialmenü“ am 18. Juli. Was da genau passiert, liess am besten selbst nach: www.bittwoch.at

So ging es beim ersten „Bittwoch“ 2012 zu. Wer wird beim Spezialmenü dann wohl mit welchem Geschenk nach hause gehen?

Dann ist was geiles passiert: Stell dir vor, du sitzt im Theater und es fängt an zu regnen. Ziemlich blöd, oder?

2011 – Regenunterbrechung

Schlussapplaus in der Alpe Adria Galerie, 2011

Das ist einem deutschen Urlauberpaar bei der einzigen verregneten Vorstellung im letzten Jahr passiert. Dann haben die beiden aber nicht abgewartet, denn die Vorstellung wurde dann ja eh in der Alpe Adria Galerie zu Ende gespielt. Heuer kamen sie wieder zum Urlauben an den Wörthersee und freuten sich einen Haxen aus, dass das „Rössl“ wieder gespielt wird. So haben die beiden sich das Stück ab der Pause zu Ende angesehen und saßen gleich neben mir. Was die zwei gelacht haben… da hab ich als ganzer mitgescheppert.

Dann war da auch noch eine Frau da, die gleich zwei weitere Frauen mitgenommen hat. Die mit den feuerroten Haaren hat einen Text geschrieben – aber Hallo! – vom feinsten… Und gemeinsam mit der Blonden und der Brünetten haben sie den nach der Vorstellung dann vorgelesen.

Astrid, Veronika & Isabella Feimer lesen

Die rothaarige, also Isabella Feimer, hat tags darauf im Rahmen des Bachmannpreises gelesen, da hab auch ich ihr die Daumen gedrückt. Den Preis hat aber eine andere mit einer anderen Frisur (da sag ich jetzt lieber nix dazu) abgeheimst…

Und dann ist mir mal mein Herz stehengeblieben, frage nicht – so dermassen erschreckt hab ich mich… In einer Szene hebt ein Schauspieler den anderen kopfüber. Falls du das Stück „Das verflixte zehnte Jahr“ schon gesehen hast, wirst du mir beipflichten können, dass das jetzt ein bissl schwierig zu beschreiben ist, was die zwei da machen. Auf jeden Fall haben sie es an diesem besagten Tag anders gemacht. Und zwar so, dass einer ein blaues Auge und der andere ein blutiges Knie und eine aufgerissene Hose davongetragen hat. Schön war das nicht – obwohl man sagen muss: gut, dass da nicht mehr passiert ist, auf diesem Pflastersteinboden…! Das Publikum hat das glaub ich gar nicht so recht mitgekriegt, weil die beiden so dermassen professionell weitergespielt haben, dass die gedacht haben müssen: Wow, gewagte Choreographie.

Aber so ist es oft im Leben. Meistens, wenn was passiert, ist es eh nicht so schlimm – dafür kommt es aber irgendwann dann dicke. Aber weisst was: in meinem Fall, und in dem der Theaterleute will ich mir wünschen, dass das noch möglichst lange auf sich warten lässt!

In dem Sinn: Neun Vorstellungen kannst mich noch bewundern kommen – in keinen zwei Wochen mehr werde ich dann wieder für ein Jahr von den schönen Erinnerungen an die letzten drei THEATER SOMMER KLAGENFURT alleine im Innenhof zehren müssen.

Ich – während der Proben, 2012

Alles Liebe,

Dein Apfel

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Ausflug ins Wunderland, Teil 2: Hinter den Spiegeln (des Offensichtlichen)

Liebe Freunde und Freundinnen des Theater Sommer Klagenfurts,

während die erste Premiere bereits mit Bravour gemeistert wurde und die zweite erst einen Grinsekatzensprung zurück liegt, nähert sich auch das Wettlesen beim diesjährigen Bachmannpreis und es steigert sich in exponentieller Aufwärtsbewegung eine kleine, aber hartnäckig festsitzende Nervosität meinerseits. Zugegeben abgelenkt von den mich in Entzückung versetzenden Fußfallerbeinchen, die im Moment über die Bildschirme huschen, frage ich mich, was denn dort, in Klagenfurt, passieren wird. Wie wird es sein, wenn ich lese und wenn daraufhin die Jury Feedback gibt?

Was ist nachher?

Aber das sind nicht die einzigen Fragen, die mich, während dieser Vorbereitungszeit auf die Tage der deutschsprachigen Literatur, beschäftigen. Fragen über Fragen wurden mir gestellt, die ich nur nach Kriterien des Offensichtlichen beantworten konnte. Woher man kommt, zum Beispiel, und: wohin man geht?

Das Leerzeichen zwischen diesen beiden Fragen ist ein Spiegel, in den ich zuerst blicken musste, um dann, gleich der Alice im zweiten Teil ihrer Wunderland-Abenteuer, durch ihn hindurchzugehen.

Offensichtlich ist, dass ich in Schwechat aufgewachsen bin und geboren bin ich in Mödling, weil es in Schwechat kein Krankenhaus gibt. Was, hätten sich damals meine Eltern für eine andere geografische Richtung, für ein Krankenhaus in Wien, entschieden? Nicht vieles wäre anders, aber doch Kleinigkeiten – dennoch: aufgewachsen wäre ich in Schwechat. Heimat und Herkunft prägen, und ich glaube, wenn schon nicht an den nationalen Überbegriff Heimat, doch an meine Wurzeln, die in der Industriestadt am Rande Wiens verankert sind. Deutlich spürbar werden sie, wenn ich mich an den Geruch von werdendem Bier erinnere, steigt in die Nase nämlich, wenn man bestimmte Plätze in Schwechat kreuzt, und an den nächtlichen Anblick der Raffinerie – meine ganz persönliche Blade Runner City. (Ähnlich wird es wohl den Klagenfurter Jungs gehen, wenn sie in die Heimat zum Theaterzauber zurückkehren.)

Foto by Nikolas Franz

In dieser Erinnerung wird der Ort der Herkunft zum Wunderland, das es jenseits des Spiegels gibt. Herkunft wird zur gedanklichen Spielwiese, zum Stoff, aus dem das Wunderland ist.

Und wenn Sie mir noch eins der Gedankenexperimente verzeihen, auch dieses Wohin liegt hinter einem Spiegel, und hinter dem Spiegel der Begriff Zukunft.

Offensichtlich ist, dass ich in nicht mehr ganz zwei Wochen Klagenfurt besuche, um dort zu lesen, offensichtlich zu einem abenteuerlichen Ausflug in den Literaturbetrieb, aber was dann? Aber was dort? Was bedeutet es, abseits der Anspannung und des mich trotz dieser Anspannung begleitenden Wohlgefühls, weil ich gerne tue, was ich tue, und weil ich dort wertvolle Zeit mit meinen Freunden verbringen kann? (Und glauben Sie mir, es ist ein gutes Gefühl, das mich dieser Tage begleitet und weiterhin begleiten wird – bei so viel Zuspruch und positivster Energie – auch davon kann das Team des THEATER SOMMER KLAGENFURT ein fröhliches Liedchen singen.)

Hinter dem Spiegel des Wohingehens, so denke ich es mir, liegt die Ungewissheit, und die ist Teil meines Wunderlands, die ist das Abenteuer, in das ich mich – und Künstler und Künstlerinnen aller Sparten – täglich gerne stürze.

Ach ja, und dann ist da noch diese eine Frage, die wohl niemand so richtig beantworten kann: warum schreiben Sie? Warum haben Sie sich für die Kunst entschieden?

Hm.

Äh.

Hm.

Ich glaube, sie hat sich für mich entschieden,

und ich spielte mit.

Hiermit genug der Worte,

lassen wir – auf der Theater- oder Lesebühne – Taten sprechen,

herzlichst und dankbar für all die guten Wünsche,

Isabella Feimer

(die hoffentlich nicht in Klagenfurt baden gehen wird ; ), sich aber schon sehr auf den Wörthersee freut! )

Isabella Feimer wird am Freitag, den 6. Juli 2012 im Anschluss an die Vorstellung von „Das verflixte zehnte Jahr“ um ca. 23:00 im Stadthaus Klagenfurt bei freiem Eintritt aus ihren Werken lesen. 

Lesen Sie den ersten Teil von Isabella Feimers Klagenfurt – Abenteuer und über ihren Theater (Sommer Klagenfurt) Bezug „Ausflug ins Wunderland – Bachmannpreis 2012“

 



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Ausflug ins Wunderland – Bachmannpreis 2012

Ausflug ins Wunderland Teil 1

„Was hat ein Rabe mit einem Schreibtisch gemeinsam?“

von Isabella Feimer

Was hat ein Rabe mit einem Schreibtisch gemeinsam, fragt der Hutmacher die kleine Alice, als sie auf ihrer fantastischen Entdeckungsreise durchs Wunderland auf die verrückte Teegesellschaft trifft.

Sie fragen sich vielleicht, was hat das mit mir, der Verfasserin dieser Zeilen (Isabella Feimer, Schuhfetischistin und permanent Reisesehnsüchtige) gemeinsam oder gar mit dem THEATER SOMMER KLAGENFURT, auf dessen Blog Sie sich befinden.

Auf den ersten Blick nichts, vermutlich, und ich nehme auch nicht an, die herrliche verquere Geschichte von Lewis Carroll wird in den nächsten Jahren auf dem Spielplan unserer geschätzten Klagenfurter Theatertruppe stehen – oder doch? (Wer kann denn schon mit Gewissheit in die Theaterkristallkugel der Spielplanzukunft blicken?)

Jetzt zum zweiten Blick, auf den es ja bekanntlich ankommt, und schon tun sich Verbindungen zu dem Eingangs erwähnten Zitat und zwischen all den bisher aufgetretenen Protagonisten auf und des Rätsels Lösung rückt in beschreibbare Nähe. Dazu spule ich ein bisschen in Raum und Zeit zurück, ein paar Jahre, als es weder den THEATER SOMMER KLAGENFURT noch mich in der Berufung als Schriftstellerin gab. Damals hatte ich eine andere Funktion: ich war Regisseurin (Freie Theaterszene, wenig Geld, aber umso größere Visionen), und ich inszenierte eine Adaption von Alice im Wunderland im Kosmostheater Wien. Auf der Suche nach einer geeigneten Besetzung war bald entschieden, dass Wilhelm Prainsack (ja, der Wilhelm Prainsack, künstlerischer Leiter des Theater Sommer Klagenfurt) unter anderem die Rolle des Hutmachers übernehmen würde. Auf den Leib geschneidert! Finden Sie nicht auch? Bühnenbild, und jetzt lösen wir das Rätsel noch ein Stückchen mehr, machte damals Martin Kreienbühl, mit dem mich eine langjährige Freundschaft (auch Kollegenschaft) verbindet. Ein großartiger Raumgestalter! Kein Wunder im Wunderland also, dass sich der THEATER SOMMER KLAGENFURT ihn zur Mitarbeit geangelt hat.

Das Wunderland wäre aber nicht das Wunderland, gäbe es da nicht noch eine verquere Verbindung, und die heißt Klagenfurt. Letzten Sommer, als ich die 35. Tage der deutschsprachigen Literatur (besser bekannt als Bachmannpreis) als neugierige Besucherin (noch nicht Fuß gefasst habende Schreibende, wieder einmal höchst motiviert) beiwohnte. Sonnige, beglückende Tage waren es, nicht nur im Zeichen der Literatur, auch ein Zwischenstopp im „Weißen Rössl am Wörthersee“ durfte nicht fehlen, und ich verbrachte einen amüsanten Vor- und Nachvorstellungsabend mit und bei meinen (Jungs, ich darf doch „meinen“ sagen?) Jungs unter lauem Sternenhimmel.

Kurz vor der Abreise aus Klagenfurt, als ich das ORF Landesstudio Kärnten (Herberge für den Bachmannpreis) hinter mir ließ, literarisch beschwingt über die Wiese bis zum Parkplatz tänzelte, schwor ich mir (sagen wir mal anders, ich wagte in die Literaturkristallkugel zu sehen), „nächstes Jahr, Isabella, liest du hier!“

Gedacht, getan! Heuer kehre ich (welch Freude!) wettlesender Weise ins Klagenfurter Wunderland zu den 36. Tagen der deutschsprachigen Literatur zurück (und ja, sie haben mich ertappt, ich fühle mich ein bisschen wie Alice … ob ich weiße Rosen auch rot streichen muss, wenn ich mich der fachkundigen Bachmannjury stelle?).

Auch diesmal ist ein Besuch des THEATER SOMMER KLAGENFURT und bei dem Hutmacher und dem Lichtmagier und allen anderen ein unabdingbares Muss.

Also, was hat ein Rabe mit einem Schreibtisch zu tun?

Sagen Sie es mir!

Herzlichst,

Isabella Feimer

Isabella Feimer

Foto by Nikolaus Franz

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