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Norbert Holoubek über die Herausforderung „Im weißen Rössl am Wörthersee – das verflixte zehnte Jahr“ -THEATER SOMMER KLAGENFURT – Klagenfurt am Wörthersee

Hmmm, einen zweiten Teil für „ Das Weisse Rössl am Wörthersee“ zu schreiben ist eine besondere Herausforderung, birgt viele Gefahren und hat einige Vorraussetzungen, die ein „normales“ Theaterstück nicht hat. Es darf so viel NICHT und MUSS so viel sein:

  • Es darf keine Kopie vom Rössl I sein.
  • Es darf keine abhängige Fortsetzung werden, sondern eben eine unabhängige.
  • Es darf nicht weniger lustig als der erste Teil sein.
  • Es muss so geschrieben werden, dass es logistisch möglich ist, fünf Schauspieler alle 12 Rollen spielen zu lassen.
  • Es muss todkomisch, niemals platt und doch anspruchsvoll sein.
  • Es muss alle Schauspieler fordern und glücklich machen.
  • Es muss das Publikum fordern und glücklich machen.
  • Es muss mich glücklich machen.

Hui… Hilfe! Und jetzt?

Bei mir ist es so, dass ich länger mit einer Idee „schwanger laufe“. Ich habe eine erste Idee, setze sie in irgendeiner Gehirnwindung aus und lasse sie unterbewusst so vor sich hinarbeiten. Aus verschiedensten Seiten versuche ich mir Inspirationen zu holen: aus Filmen und Theaterstücken, aus dem Alltag, aus Träumen. Viel Woody Allen habe ich gesehen, gefällt mir gut, doch will sich sein Stil einfach nicht in meine Rössl II Vorstellungen reinbiegen lassen. Viele Komödien habe ich gelesen. Erst auf der Suche, nach Stücken deren Handlung man verweben könnte. (Wie vor zwei Jahren beim „Geizigen“, oder letztes Jahr die Mischung mit „Bunbury“ von Oscar Wilde). Aber irgendwie gefällt mir nichts gut genug. Dann muss es wohl etwas ganz eigenes werden! Immerhin werden die Ideen immer mehr und das Samenkorn in meiner Gehirnwindung wird größer – ein kleines Pflänzchen spriesst und wackelt schon ganz schön herum in meinem Kopf.

Bald weiss ich vor allem eins: Teil II wird keine unmittelbare Fortsetzung werden, es soll zehn Jahre später spielen. Warum? Weil sich Menschen verändern. Bewusst, öfter unbewusst und dies ist ein Thema, das ich immer spannend finde. Also: wie entwickeln sich die Figuren weiter, wie geht es ihnen, zehn Jahre nach dem Happy End? Sind sie überhaupt noch glücklich? Kämpfen sie für ihr Glück? Suchen sie das Glück? Oder überlegen sie schon, wie sie ihren Partner unauffällig wieder loswerden können… Das sind Themen, die mich reizen.

Also: Einfach anfangen.

Irgendwann sitze ich endlich vorm PC. Und zum Glück fällt es mir leicht einfach mal loszuschreiben. Die Angst vor dem weißen Blatt Papier oder den leeren Bildschirm – die kenne ich nicht. Zum Glück! Ich kenne Autoren, die können unchronologisch schreiben. Das kann ich gar nicht. Ich muss vorne anfangen und logisch darauf aufbauen. Die ersten Szenen sind die schwierigsten. Denn alles was da entschieden wird, hat Folgen für das restliche Stück. Zwölf Figuren einzuleiten und dem Publikum vorzustellen, ist nicht so einfach. Und die Frage ist: welche Figuren? Bald trenne ich mich von einigen lieb gewonnenen Charakteren aus dem ersten Teil und freue mich wie ein guter Onkel mit den Figuren, die „überleben“, und von denen ich noch mehr erfahren darf . Das ist toll!!! Auch neue Charaktere auf das „alte“ Personal loszulassen macht wirklich Spaß. Und immer mehr verliebe ich mich in „meine“ Figuren, die doch nie meine sind, sondern die ich zu beobachten scheine und die ich oft vor schwierige Herausforderung stelle. Absichtlich. Interessant werden die Figuren so richtig, wenn sie eigentlich keinen Ausweg mehr sehen und dann kreativ werden: Sie beginnen zu kämpfen, sie werden richtig komisch, und ich leide mit ihnen mit… Denn leicht mache ich es ihnen nicht – zehn Jahre später! Und einen Mörder hetze ich ihnen auch noch auf den Hals.

Endlich ist der erste Guss ist fertig. Oft noch mal drüber lesen… Oft noch mal nachkontrollieren… Das Stück wird oft umgeschrieben und wie ein heller Kristall von allen Seiten beleuchtet und geschliffen. Schließlich kann ich es erst den Produzenten präsentieren, wenn es auch wirklich „mein“ Baby ist, das ich verstehen und verteidigen kann.

Und da liegt es jetzt. Ausgedruckt auf meinem Schreibtisch. Das ausgedruckte „Rössl II“-Werk. Bereit für seine ersten Gehversuche.

Einsame Stunden liegen hinter mir, jetzt kommt der Geist der anderen dazu. Der nächste Prozess.

Gemeinsam mit den beiden Produzenten suchen wir einen geeigneten Namen. Ein echt schwieriges Unterfangen, schliesslich schicke ich mein Kind mit diesem Namen in die Welt hinaus, und da soll es neugierig machen, begeistern, gefallen und glücklich machen!

Mich hat es schon mal glücklich gemacht. Also habe ich immerhin schon einem Punkt entsprochen.

„Im weißen Rössl am Wörthersee – das verflixte zehnte Jahr“ – Ich freu mich drauf!!!

Norbert Holoubek

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