Fair Pay für Kulturarbeit – ein kleiner Schritt

Das Spiel auf der Bühne wirkt souverän und professionell. Die Gesangs- und Tanzeinlagen begeistern das Publikum. Die Musik ist mitreißend und die Technik faszinierend. Auch die Plakate, die Folder und die Website sehen ansprechend aus. Schnell denkt man – das macht Spaß, das ist doch keine Arbeit…?

Im Gegenteil – dahinter steckt sehr viel Arbeit durch ein professionelles Team von Kulturschaffenden. Jeder und jede Einzelne hat eine jahrelange Ausbildung hinter sich und übt seinen Beruf schon viele Jahre aus. Viele Menschen gehen ihrer Tätigkeit im Kulturbusiness hauptberuflich nach und bestreiten damit ihren Lebensunterhalt.

Über die prekären Verhältnisse in der freien Kulturszene ist schon viel geschrieben und diskutiert worden. Umso wichtiger, dass die Thematik auch außerhalb der Kulturkreise wahrgenommen wird, dass auch Ideen und Ansätze entwickelt und vor allem auch umgesetzt werden.

Die Kampagne „Fair Pay für Kulturarbeit“, initiiert von der Ländervertretung der IG Kultur Österreich, ist ein großartiger Schritt in diese Richtung und schafft für Kulturinitiativen ein Fundament auf das man mit den bereitgestellten Mitteln aufbauen kann.

FAIR PAY & THEATER SOMMER KLAGENFURT

Der gemeinnützige Kulturverein THEATER SOMMER KLAGENFURT, den mein Kollege Wilhelm Prainsack und ich im Jahr 2009 gegründet haben hat sich der Kampagne angeschlossen und sich folgenden Absatz auf die Brust bzw. Website geheftet:

Der THEATER SOMMER KLAGENFURT sieht Kulturarbeit als wirkliche Arbeit und macht es sich daher zur Prämisse, für alle Mitarbeiter optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen und auch eine Bezahlung zu garantieren, über welche der Wert und die Notwendigkeit freier, autonomer Kulturarbeit sichtbar gemacht werden kann. Der THEATER SOMMER KLAGENFURT unterstützt daher auch die Initiative „Fair Pay für Kulturarbeit“.

Man muss vielleicht dazusagen – bereits die Gründung des Kulturvereins setzte für uns voraus, dass wir unser Ensemble gemäß den gesetzlichen Erfordernissen anstellen und für faire Bezahlung garantieren werden. Hatten wir doch beide bereits öfters unter prekären, ja eigentlich illegalen Verhältnissen gearbeitet. Somit wurden unsere Grundsätze und Gedanken mit der „Fair Pay“-Kampagne in Worte gefasst.

Allerdings wussten wir, dass löbliche Vorsätze und ein gelber Button auf unserer Website niemanden wirklich viel bringen. So zerbrachen wir uns die Köpfe darüber wie wir die Grundlagen und Ansätze von „Fair Pay“ wirklich nutzen können.

Ein Angestelltenverhältnis mit einem halbwegs adäquaten Bruttogehalt kostet dem Arbeitgeber eine schöne Stange Geld. Andererseits garantiert es den ArbeitnehmerInnen neben sozialer Absicherung und Sonderzahlungen vor allem auch eine Wertschätzung für die erbrachte Leistung. Genau hier setzten wir an und boten unseren Sponsoren durch ein „Fair Pay“-Paket die Möglichkeit zu zeigen, dass sie Kulturarbeit als richtige Arbeit wahrnehmen und auch schätzen – durch die Übernahme der Lohnnebenkosten. (Die übrigens so hoch sind, dass die gesamte Förderung, die wir vom Land Kärnten bekommen, dafür draufgeht. Aber das ist eine andere Geschichte.)

DIE PATEN

Als Gegenwert für das finanzielle Engagement fungierten die Firmen als „Paten“ für unsere SchauspielerInnen. Sowohl im Programmheft als auch auf unserer Homepage gab es Platz für persönliche Statements:

„Das Spiel auf der Bühne wirkt locker und leicht. Doch dahinter stecken harte Arbeit und eine fundierte Ausbildung. Deshalb unterstützen wir die Aktion Fair Pay für Kulturarbeit!“ Und weiter „Die Firma XY sieht Kulturarbeit als ‚wirkliche’ Arbeit und übernimmt die Lohnnebenkosten für ____. Kultur muss sich bezahlt machen!“ Ach ja, ihr jeweiliges Firmenlogo und das „Fair Pay“-Logo waren natürlich auch dabei.

Bildschirmfoto 2014-12-02 um 14.41.54

So haben wir es tatsächlich mit wenigen simplen Mitteln geschafft, für die soziale Absicherung unseres Ensembles zu sorgen und das Thema ein wenig in den Fokus zu rücken. Unsere Partnerfirmen hatten die Möglichkeit einen Kulturbetrieb wirklich sinnvoll und öffentlichkeitswirksam zu unterstützen, ihrem Engagement im wahrsten Sinne des Wortes ein „Gesicht“ zu geben. Darüberhinaus bindet ein persönliches Engagement viel mehr als das x-te Logo auf einem Plakat, weshalb unsere Partner die Aktion auch im nächsten Jahr wieder unterstützen werden. Herzlichen Dank an dieser Stelle an: Kärntner Landesversicherung, City Arkaden Klagenfurt, Kärntner Buchführung & Kärntnermilch!

EINFACHE IDEE – GROSSE WIRKUNG

Anhand des Beispiels ist zu sehen, dass man mit neuartigen aber leicht umsetzbaren Ideen recht viel bewegen kann. Dabei geht es um wesentlich mehr als um ein paar gesponserte Tausender. Wir haben mit vielen Leuten – egal ob FirmenchefIn oder unser Publikum – persönlich über die Lage der KulturarbeiterInnen sprechen können, da wir dem Thema wieder eine Bühne gegeben haben. Eine Bühne auf der das Spiel doch immer so souverän und professionell wirkt…

Dieser Text ist auch in der Ausgabe 1/2015 der Zeitschrift „GIFT“ erschienen. Abo-Bestellung und Informationen unter www.freietheater.at.

Wir würden uns übrigens sehr über Nachahmer und noch mehr über weitere innovative Ideen freuen!

Robert Saringer

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Robert Saringer

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s